Praktikumsbericht, Jänner 2013

Der Verein für Integrationshilfe ist eine Einrichtung, die die Haftentlassenenhilfe der Erzdiözese Wien unterstützt. Seit 1970 bietet der Verein Wohnmöglichkeiten an, in denen die Wohndauer auf 12 Monate beschränkt ist, in Ausnahmefällen aber verlängert werden kann. Der Gründer dieser Einrichtung ist der ehemalige Gefangenenseelsorger Anton Eder. Zusätzlich zu den Wohneinrichtungen wurde im Herbst 1974 eine Beratungsstelle für Haftentlassene gegründet, die als erste Anlaufstelle dienen soll. Es handelt sich um eine Beratungsstelle der Erzdiözese Wien, die zum Referat der Gefangenenseelsorge gehört. Sie ist mit zwei SozialarbeiterInnen besetzt. Im Moment wird sie von DSA Mag. Wolfgang Püls und DSA Liliane Pock geführt.

Die Einrichtung verfolgt das Ziel, Menschen zu helfen, die in jüngster Zeit aus der Haft entlassen worden sind. Sie möchte einen Wiedereinstieg in das Leben außerhalb des Gefängnisses ermöglichen. Viele der ehemaligen Häftlinge haben gerade nach längeren Haftstrafen keine Wohnmöglichkeit (mehr), in der sie sich auf Dauer niederlassen und melden können. In diesem Punkt bietet das Integrationshilfehaus die Möglichkeit, für eine bestimmte Zeit im Wohnheim oder in einer der Startwohnungen zu wohnen. Die Menschen, die die Beratungsstelle aufsuchen, kommen aus verschiedenen Gründen. Prinzipiell kann gesagt werden, dass die Beratungsstelle für Akut-Hilfe nach einer Haftentlassung zuständig ist. Die Zielgruppe sind Menschen, die innerhalb des letzten halben Jahres aus der Haft entlassen worden sind und eine Haftstrafe von mindestens zwei Wochen hinter sich haben.

Bei den Wohneinrichtungen handelt es sich um ein Wohnheim im 6. Bezirk, in dem 25 Männer untergebracht werden können, sowie um acht betreute Startwohnungen im 10., 16. und 17. Bezirk. Zwei der acht Startwohnungen werden zurzeit von Frauen bewohnt. Die Wohneinheiten werden von den beiden oben genannten SozialarbeiterInnen organisiert und verwaltet.

Neben dem Quartierswunsch gibt es noch weitere Anliegen, wegen derer KlientInnen Kontakt zum Verein für Integrationshilfe aufnehmen. Die Weitervermittlung zu den beiden Caritas-Lagern in Wien (Carla Nord und Carla Mittersteig) erfolgt ebenfalls in der Beratungsstelle in der Blutgasse. Haftentlassenen wird die Möglichkeit geboten, in einem der Caritas-Lager zu arbeiten. Es handelt sich dabei um ein Arbeitsangebot von 20- 28 Stunden pro Monat und soll dazu dienen, sich ein wenig Geld dazu zu verdienen.  Des Weiteren suchen häufig Leute die Beratungsstelle auf, mit dem Wunsch nach finanzieller Unterstützung. Es wird zwar nie Geld gegeben, doch gibt es Einkaufsgutscheine, die bei verschiedenen Geschäften einlösbar sind.

Außer den beiden hauptamtlichen SozialarbeiterInnen arbeiten auch ehrenamtliche MitarbeiterInnen, PraktikantInnen und Zivildiener im Wohnheim. Einmal pro Woche findet eine Teambesprechung statt, bei der Neuigkeiten ausgetauscht und besprochen werden. Im Wohnheim gibt es drei Stockwerke (EG, 1.Stock, 2.Stock), die zum Verein für Integrationshilfe gehören. Jede Woche wird ein Stockwerk genauer unter die Lupe genommen- dabei soll jeder der derzeitigen Bewohner kurz evaluiert werden.

Die Teambesprechung ist ein sehr wichtiges Element, da sich viele MitarbeiterInnen während ihrer verschiedenen Tätigkeiten gar nicht sehen. So bekommen sie zumindest einen kurzen Überblick über den Rest des Teams, werden über Neuigkeiten informiert und können sich mit den anderen MitarbeiterInnen austauschen.

Die Aufgaben der PraktikantInnen dort sind sehr unterschiedlich und variieren je nach Situation. Die Leitung lässt ihnen sehr viel Freiraum und oft auch Wahlmöglichkeiten. In den meisten Fällen verbringen die PraktikantInnen den Vormittag in der Beratungsstelle in der Blutgasse, da vormittags die Zeiten für persönliche Beratung sind. Dabei kann ihnen ein guter Eindruck vermittelt werden, mit welchen Wünschen, Beschwerden oder Anliegen Menschen hierher kommen und wie bestimmte organisatorische Dinge abgewickelt werden.

Nachmittags sind die PraktikantInnen eher im Wohnheim anzutreffen, wo sie entweder den ehrenamtlichen MitarbeiterInnen oder den Zivildienern zur Hand gehen, oder auf der Suche nach dem Gespräch mit Bewohnern sind. Es wird gewünscht, dass die Bewohner animiert werden, ein bisschen aus ihren Zimmern heraus zu kommen und gemeinschaftliche Aktivitäten zu machen. Zu diesem Zweck wird auch gerne der Freizeitraum mit dem Tischtennistisch aufgesperrt.
Außerdem gibt es immer wieder verschiedene Tätigkeiten, die von PraktikantInnen  übernommen werden können. Dabei kann es sich um die Begleitung zu Ämtern, um einen Besuch in einer Startwohnung oder um ähnliche Dinge handeln.

Ich war während meines Praktikums in den meisten Fällen vormittags im Büro und habe verschiedene, organisatorische Tätigkeiten übernommen und gleichzeitig an den Gesprächen teilnehmen können. Da es die beiden hauptamtlich angestellten SozialarbeiterInnen häufig aus Zeitgründen am Nachmittag nicht mehr in das Wohnheim geschafft haben, war ich eine Art Botendienst und Vermittlung zwischen der Beratungsstelle und dem Wohnheim. Im Wohnheim selbst habe ich entweder den Zivildienern und den anderen MitarbeiterInnen geholfen, oder ich habe versucht, mit Bewohnern ins Gespräch zu kommen und nachzufragen, wie sich bestimmte Dinge entwickelt haben, ob es bei manchen Sachen Neuigkeiten gibt und Ähnliches.

Außerhalb von Wohneinrichtungen und Beratungsstelle bekam ich während meines Praktikums die Möglichkeit einen Klienten zur Amtsstelle der MA 35 zu begleiten und konnte in der darauffolgenden Woche das Integrationshilfehaus bei einer Bawo-Sitzung (Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslose) vertreten. Zusätzlich wurde mir und anderen PraktikantInnen durch Kontakte zur Gefangenenseelsorge eine Führung in der Justizanstalt Josefstadt ermöglicht.

Ich konnte aus dem Praktikum viel mitnehmen und  hatte das Gefühl, gut im Team mitarbeiten zu können. Der Umgang untereinander ist relativ familiär und ich habe mich dort schnell wohl gefühlt. Die Stimmung während der Teambesprechungen hat mir auch sehr zugesagt, da wirklich auf jede Meldung Bezug genommen und eingegangen wurde. Außerdem war ich sehr froh darüber, dass mir die Möglichkeit gegeben wurde, in verschiedene Bereiche Einblick zu bekommen.